Vorgestern habe ich nun auch gesehen, den umstrittenen Film von Mel Gibson. Das Kino war gut gefüllt. Zusammen mit drei Freunden haben wir nachher noch lange diskutiert. Der Film ist zu Recht umstritten. Ich bin mit zwiespältigen Gefühlen nach Hause gegangen. Die erste Stunde habe ich das Gefühl gehabt, der Film ziehe an mir vorbei, die Szenen in Gethsemane, die Verhöre, alles hat mich seltsam wenig berührt. Die aufdringliche Slow-Motion-Technik hat mich gestört. Der zweite Teil hat mich dann mehr angesprochen, gewissen Szenen haben mich zu Tränen gerührt, waren in ihrer Aussagekraft und Intensität stark. Der Schluss eher wieder flach....
No english Version, I'm sorry...too long to translate :-)
So paradox es klingt, die Kreuzigung ist nicht der Höhepunkt, das Leiden am Kreuz (realiter immerhin 3 Stunden) nimmt wenig Platz ein, die Auferstehung gar nur kurz angedeutet. (Zu) lange verweilt Gibson bei der brutalen Auspeitschung, dem Weg von Pilatus nach Golgatha. Es fällt mir schwer, ein Urteil abzugeben. Der Film eckt an, positiv und negativ. Positiv: das Kreuz wird nicht verharmlost, Gibson zeigt Bilder von schonungsloser Härte, Jesus hat unfassbare Qualen durchgestanden. Keine verklärte Kreuz-Romantik wie auf gewissen religiösen Kitschbildern. Es gibt starke emotionale Momente, die Geschichte hält sich weitgehend an die Evangelien-Texte. Und Jesus wird zum Thema in den Medien, viele Leute sehen sich den Film an und machen sich hoffentlich Gedanken über diesen Zimmermann aus Nazareth, lesen vielleicht sogar wieder mal im Neuen Testament.
Schwierig dagegen finde ich die Mischung zwischen Authentizität, dem Versuch das Geschehen möglichst naturgetreu darzustellen und anderseits den deutlich stilisierten Zügen, die der Film durch die pathetische Musik, die ständig wiederkehrenden Slow-Motion-Effekte und die typische Hollywood-Bildsprache erhält. Das ergibt eine Spannung, die sich nur unbefriedigend auflösen lässt. Weder Fisch noch Vogel. Insgesamt denke ich, sind Filme, die versuchen das ganze Leben von Jesus zu zeigen, hilfreicher und besser geeignet, Jesus und das Christentum zu verstehen. Die Beschränkung auf die Passion (auch wenn einige kurze Flashbacks Einblick in die Bergpredigt, das Abendmahl usw. geben) ist stoffgemäss problematisch. Dafür kann Gibson nichts. Ich bin mir nicht sicher, ob Zuschauer, die mit den biblischen Themen weniger vertraut sind, die Zusammenhänge verstehen, mitbekommen, warum dieser Jesus sterben musste, was dies für uns zu bedeuten hat. Es wird erwähnt, ja, aber nur am Rande. Und Jesus selbst sagt eben wenig in diesen letzten Stunden (da hält sich der Film ziemlich genau an die Überlieferung der Evangelien), zudem ist sein Gesicht entstellt, während dem halben Film nur ein Auge sichtbar. Aber man sieht wenig, wie Jesus gelebt hat, wie er mit Menschen umgegangen ist, wie er gelehrt und geheilt hat, wie er Menschen mit seinen Worten und Taten faszinieren und provozieren konnte. Davon wird wenig sichtbar. Der Film beschränkt sich auf den leidenden Jesus. Das ist eine Seite, aber eben nur eine…Natürlich ist das Kreuz (und die Auferstehung) zentral für unsere Erlösung, daran gibt es keinen Zweifel. Auch die Jünger bleiben in ihrer Charakterisierung schemenhaft, sind absolute Nebendarsteller. Keine Frage der Film hat Kraft, er kann bewegen, etwas auslösen. Aber was er auslöst weiss ich nicht genau. Verwunderung? Dankbarkeit im besten Falle? Verärgerung? Entrüstung? Unverständnis? Klar, das Kreuz bleibt ein Ärgernis und eine Kraft, denen die an Jesus glauben, daran ändert auch dieser Film nichts, zum Glück. Aber für empfehlenswert, halte ich ihn nur bedingt. Und das nicht wegen der Brutalität.
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