Die letzten zwei Tage war Neil Cole (Long Beach, CA) in Basel am IGW zu Gast und hat hier "Greenhouse" durchgeführt, eine Schulung zum Thema "Organischer Gemeindebau/gründung". Sehr inspirierend. CMA, das Netzwerk, wo Neil eingebunden ist, hat in den letzten 6-7 Jahren in den Staaten mehr als 800 Gemeinden gegründet. Natürlich nicht 800 Megachurches, sonden eben kleine, sich reproduzierende organische "Simple Churches" mit jeweils ca. 20 Personen. Neil will wann immer möglich den Term "Hauskirchen" vermeiden und redet von "Organic churches" (vgl. sein gleichnamiges Buch von 2005), vor allem darum, weil anscheinend in den USA der Begriff "Hauskirchen" sofort Assoziationen an irgendwelche skurille Christen weckt,die sich sonst nirgends einordnen wollen und können :-)! Manche seiner Gemeinden treffen sich auch in Cafés, Umkleidekabinen, Büros, darum deckt "Hauskirchen" nicht das ganze Spektrum ab. Gepackt hat mich bei seinen Schilderungen vor allem, dass da nicht einfach nur über Strukturen, Theologie und Gottesdienstformen diskutiert wurde, sondern dass Menschen verändert und Christen wurden und dies nur nicht nur vereinzelt und ab und zu, sondern in grossen Mengen! Im ganzen EC-Gewirr würde ich Neil's Ansatz folgendermassen einordnen. Ich weiss die dreifache Gliederung entspricht nicht der Komplexität des Phänomens EC und es gibt auch deutliche Überschneidung, vor allem zwischen Gruppen 2 & 3, aber gewisse Schemen können doch hilfreich sein, wenn sie nicht absolut verstanden werden:
- EC in Gestalt amerikanischer Megachurches (Rob Bell, Erwin McManus, Mark Driscoll...natürlich wäre Mark Driscoll in vielen Punkten mit Bell & McManus theologisch wohl uneins, aber strukturell sind sie ziemlich kompatibel, natürlich auch Dan Kimball gehört in diese Kategorie, auch wenn zahlenmässig seine Gemeinde nicht dem Megachurch-Kriterien (ab 2000 Leuten) entspricht, jedenfalls soviel ich weiss..
- der monastische EC-Flügel: z..B. Vineyard Central (Cincinnati), Church of the Apostles (Seattle), Boiler-Rooms (24/7), Kubik (Karlsruhe)
- Missionaler-organischer Flügel, hier würde ich Neil Cole einordnen, ebenso Michael Frost & Alan Hirsch, oder auch Andrew Jones...
Nun zurück zu Greenhouse. Stichwortartig möchte ich einige Punkte erwähnen, die mir besonders geglieben sind:
Warum überhaupt "Organischer Gemeindebau":
Cole: "Most of the metaphors for the kingdom and the church use natural, organic concepts to identify and describe it."
Definition von Kirche nach Cole:
"the Presence of Jesus among his people called out as a spiritual family to pursue his mission on this planet."
Daraus abgeleitet definiert Cole die DNA der Kirche wie folgt.
D: Divine Truth
N: Nurturing Relationships
A: Apostolic Mission
Diese Elemente sollen in allem zum Vorschein kommen, was wir als Kirche machen, so sind diese drei Faktoren auch in seinem Konzept der Life-Transformation-Groups (LTG) zu sehen.
Ausserordentlich stark betont Cole Multiplikation, das ist für ihn ein Schlüsselfaktor, nur so kann aus einzelnen Gemeinden eine Gemeindegründungsbewegung entstehen. Da stimme ich ihm zu (wenn ich auch gestehen muss, dass ich da praktisch noch nicht mitreden kann...). Ich glaube, dass wenn überhaupt, dann nur über eine Multiplikation von Gemeinde in Europe nochmals eine grössere geistliche Veränderung ausgelöst werden kann. Addition alleine wird das nicht bringen. In seiner Definition einer Gemeindegründungs-Bewegung folgt Cole David Garrison:
"A church planting movement is a rapid and multiplikative increase of indigenous churches planting churches within a given people group or population segment."
Prinzipien einer "Apostolic Mission":
Practice of Prayer (Mt 9,37-38)
Pockets of People (Lk 10,1)
Power of Presence (Mt 10,7-8)
Person of Peace (Lk 10, 7-8)
People of Purpose (Mt 10,11-13)
Im ganzen Gemeindegründungsprozess gehts in erster Linie um Jüngerschaft. Cole sagt sogar, man kann nicht eigentlich Gemeinden gründen, sondern einfach Jünger machen... Da kommen seine LTG's zum Einsatz, kleine Minigruppen (2-3 Personen), die sich wöchentlich treffen. Drei Aufgaben kennzeichnen solch ein Meeting:
- Sin is confessed in mutual accountability using the LTG character conversation card (Auf dieser Karte sind Fragen aufgeführt, die man miteinander durchgeht, MB)
- Scripture is read repetitively in context and in community
- Souls are prayed for strategically, specifically and continuously usingt the back of the LTG card.
Soviel einmal zu Greenhouse. Gehe morgen ein paar Tage weg. Vielleicht schreibe ich später einmal noch zusätzliche Gedanken!
Hallo David. Danke für den Hinweis. Einige am Seminar haben das Video bestellt. Ich lese zur Zeit gerade das Buch von Cole "Organic church". Sehr spannend. Habe gesehen, dass ja in Kürze "dein" Buch erscheint...Cool!
Kommentiert von: Mike | 11. März 06 um 14:39 Uhr
Hi Mike!
Stoße gerade erst auf deinen Post zum Greenhouse-Seminar. Schön, dass es auch bei euch gut lief.
Wer an dem Seminar interessiert ist. Das Seminar in Essen gibt es auf der deutschen IGW-Seite zu bestellen (unter Shop):
www.de.igw.edu
Kommentiert von: David | 11. März 06 um 11:06 Uhr
Sali Mike,
ohne am Seminar dabei gewesen zu sein, ohne das Buch gelesen zu haben und ohne Neil Cole je live gesehen zu haben, empfinde ich eine Verwandheit zu Neil Cole - nachdem wie du den Inhalt des Seminars beschreibst.
Wir versuchen bei uns so zu bauen.
Gruss vom Thunersee
Kommentiert von: Chrigu W. | 14. Februar 06 um 11:25 Uhr
Hallo Mike, danke für die gute Zusammenfassung. Werde sicherlich dafür Verwendung haben. Hab auch viele gute Impulse mitgenommen von Kurs, wollen jetzt auch starten mit solchen Gruppen, zumindest in einem bestimmten Bereich. Bin gespannt. Schöän zu hören, dass es bei anderen auch funktioniert. Das macht Mut!
Kommentiert von: Daniel Schröder | 14. Februar 06 um 09:35 Uhr
Hallo Mike,
danke für die Zusammenfassung und deine "Bewertung" [wenn man das so nennen darf] der Tage mit Neil.
Grüße und Segen
Kommentiert von: [depone] | 12. Februar 06 um 01:19 Uhr
Ja, das ist ein gutes Zeichen. Ich habe "The Vision & The Vow" von Pete Greig gelesen, wo er diese drei Prinzipien (Gelübde) näher ausführt. Im Grunde sind das das doppelte Liebesgebot und der Missionsbefehl. Diese grundlegenden Forderungen Jesu als DNA zu bezeichnen, finde ich angemessen. Das ist es, worum es immer gehen sollte, egal welches "Gemeindekonzept" man bevorzugt...
Kommentiert von: Hufi | 12. Februar 06 um 01:06 Uhr
Hallo Hufi
Danke für deinen Hinweis. Ja, da scheint es eine Übereinstimmung, bzw. Parallelen zu geben. Ein gutes Zeichen würde ich meinen!
Kommentiert von: Mike | 11. Februar 06 um 23:32 Uhr
Diese LTGs sind bei uns in Tabor auch sehr beliebt, bei uns heißen die KSS, sind aber auch nach dem Cole-Prinzip aufgebaut. Bei uns fehlt nur der Gemeinde-Multiplikations-Faktor, da sie alle Seminar intern sind. Diese Gruppen sind auf jeden Fall sehr empfehlenswert, für mich ist das einer der wichtigsten Termine in der Woche.
Auch ansonsten sind seine Überlegungen sehr einleuchtend.
Die genannte DNA entspricht ja eigentlich auch den Prinzipien der Boiler Rooms/des Senfkornordens: 1. true to Christ 2. kind to people 3. take the gospel to the nations
Kommentiert von: Hufi | 11. Februar 06 um 21:15 Uhr