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01. Juni 06

Heisses Eisen...

Ich erlebe die Emerging-church-Diskussion, ob auf Blogs, an Konferenzen oder in Gesprächen, als stimulierend und inspirierend. Mit vielem bin ich einverstanden und bei manchen Fragen runzle ich meine Stirn, und nun zu einem Punkt der Thematik, dich mich nicht nur die Stirn runzeln lässt, sondern richtig gehend ärgert. Vielleicht weil das Thema so kontrovers ist, kann ich nicht ruhig und sachlich bleiben, sondern werde emotional und ereifere mich, stehe auf und gehe wie ein Tiger in meinem Büro auf und ab. Ahhhhhh!!! Raubtierlaute fahren aus meinem Mund :-). Nun, um was geht’s? Ich greife ein paar Zitate aus dem Kapitel von „Welcoming the Stranger“ von Bolger/Gibbs auf und stelle sie zur Diskussion.

For emerging churches, evangelism takes the form of presence rather than proclamation.....For some in emerging churches, wheter one is in or out is not the concern. (S.128f.)

Ja, über lange Zeit hatte Evangelisation in evangelikalen Kreisen oft den Beigeschmack von “Skalps zählen” und “Bekehrungsobjekte bearbeiten”. Das ging es manchmal mehr um das eigene fromme Gewissen zu befriedigen oder darum grosse Zahlen vorzuweisen, die andere ehrfürchtig staunen liessen , und die Motivation war nicht die Liebe zu den Menschen. Ja, das ist/war falsch und schlecht. Punkt. Darüber muss man nicht diskutieren.

Im Gegenzug nehme ich nun eine Pendelbewegung wahr, die in die andere Richtung geht. Ich würde sie so beschreiben. „Hauptsache du lebst „incarnational“, engagierst dich sozial und verkörperst die Werte Jesu, ob jemand merkt, ob du Christ bist und ob Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, spielt keine Rolle. „It’s not about conversion“ so eine EC-Leiterin in einem Interview, das ich kürzlich gelesen habe (Sorry, keine Quellenangabe, finde den Artikel nicht mehr…). Das ist etwas überspitzt formuliert, aber da spüre ich Unbehagen. Wort und Tat gehören zusammen, nicht nur reden, sondern auch tun. Genau. Aber wenn wir nur noch „tun“ und nicht mehr „reden/proklamieren“, haben wir das NT nicht auf unserer Seite. Ein paar weitere Zitate aus dem Buch:

 Evangelism or mission for me is no longer about persuading people to believe what I believe, no matter how edgy or creative I get. It is more about shared experiences and recounters. It is about walking the journey of life and faith together, each distinct to his or her own tradition and culture, but with the possibility of encountering God and truth from one another. (S.131)

 Burke's community is prepared to learn from faith traditions outside the Christian fold. There is a Buddhist family in their church. As a community, the church visited a Buddhist temple. They partizipated in a guided meditation with this family. Burke celebrates the many ways God is revealed. He recognizes that the Spirit has been with these people all along. The community celebrates other traditions. They reach out to other traditions, and they see them as beloved children of God. (S.133)

Because emerging churches believe the presence of the reign of God is beyond the church, they are accepting of other faith communities. Ben Edson (Sanctus1, Manchester, U.K.) reports, "We had a guy from the Manchester Buddhist center come to Sanctus1, a couple weeks ago and talk about Buddhist approaches to prayer. We didn't talk about the differences between our faith. We didn't try to convert him. He was welcomed and fully included, and was really pleased to have been invited. We gave him a positive experience of a Christian community, which is in itself an important act of mission." The underlying values that determine their relationships with sincere adherents of other faiths are respect, humility and inclusivity. Emerging churches are prepared to engage in an open interchange and to leave the outcome in God's hands. The underlying principle is inclusitiy. (S.133)

EC ist nicht gleich EC und das ist nicht die Meinung aller. Aber mit der Haltung, die in den aufgeführten Zitaten zum Ausdruck kommt, kann ich mich nicht identifizieren. Definitiv nicht. Da muss ich den Fundi-Anti-EC-Brüdern recht geben, da sehe ich eine Gefahr. Das ärgert mich. Wenn sich der Grossteil von EC in diese Richtung entwickelt, bin ich draussen. Diese Zitate könnten genauso gut aus einem humanistisch gefärbten Blatt einer liberalen Landeskirche stammen. Politisch korrekt, aber zahnlos und ungefährlich. So kommt garantiert kein Aufschwung. Das ist keine Grundlage für eine neue Jesus-Bewegung. Das war mein „Rant“ des heutigen Tages. Ahhhhh!! So, nun seid ihr daran! Was denkt ihr zu diesen Fragen?

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Heisses Eisen...:

» The secret Message of Jesus #3 von Xrossblog
Ich habe gestern den dritten und letzten Teil des Buches The Secret Message of Jesus (Teil 1 Teil 2) von Brian D. Mclaren zu Ende gelesen und heute habe ich das Buch in meiner Englisch Gruppe vorgestellt. Wir haben dann etwa eine S... [Mehr erfahren]

Kommentare

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Sam, meine Aufzählung der Eigenschaften oder des Ausdrucks von Gemeinde war nicht vollständig gemeint, sondern unter anderem. Vielleicht lebe ich einen Teil davon, dann ist das super
Machen können wir das sowie so nicht, es wird geschehen. Gemeinde ereignet sich, wo zwei oder drei in Jesu Namen zusammen sind und das wird phänotypisch nie vollständig sein sondern ergänzend in Beziehung zu anderen Gemeinden/Gemeinschaften.
Außerdem denke ich, muß man unterscheiden, zwischen dem was man theoretisch drauf hat, an neuster Erkenntnis oder Bewußtsein, zu dem was sich tatsächlich mit mir und in meinem Gemeindeumfeld ereignet.
Das Probelm liegt immer bei der Umsetzung, die können wir nicht machen. Das kann nur Gott mit uns tun. Wir können sagen, wie es am besten aufgrund unserer Erkenntnis sein sollte, das existiert aber erst in unserer Vorstellung.
Andererseits soll es Leute geben, die leben tatsächlich das Postive einer emerging oder missional church und wissen das gar nicht.
Wenn es erstmal in unserem Bewußsein zu einem Modell wird, das wir anderen vermitteln wollen, lauert Gefahr.

Gruß Richard

Richard, wenn deine Wellentheorie stimmt (was ich hiermit nicht abstreite), dann bringt uns die EC-Welle zu deiner Beschreibung, wie du sein willst,

[Zitat]
Ich jedenfalls bin dafür, dass wir immer geisterfüllt sind, kirchendistanzierte erreichen wollen, die Dynamik der kleinen Gruppe (Familie) beibehalten, uns überall treffen missionarisch sind und ständig in Erscheinung treten, so wie es die Gemeinde im 1. Jahrhundert getan hat.
[/Zitat]

vielleicht einfach noch die Eigenschaft "den Menschen dienen" dazu. Und das wiederum fände ich gut ;-) das Element "Salz und Licht" sein, einen Unterschied machen. Den Menschen dienen, nicht in erster Linie, um sie in unsere Bewegung aufzusaugen, sondern weil Jesus sagt: wenn ihr den Armeen dient, dient ihr mich.

[OK, Dave, das e zuviel war für dich]

Danke für eure weiteren Kommentare...Zu meinem Gedanken in der Comment-Section, dass manche EC gar nicht wachsen möchten, will eine Aussage von Gibbs/Bolger zitieren, die diese Problematik ebenfalls aufgreifen (S.171):
Groups face the prospect of becoming increasingly insular in order to maintain the small size necessary to preserve relational bonds. If they are committed to remaining small, they must at the same time be committed to establishing new groups. Only by birthing new groups that carry their spiritual DNA will they be able to remain missional.
Amen! Sehr gut, Mr. Gibbs & Bolger! Das ist eine sehr wichtige Anmerkung!

Gut gesprochen, Mike! hier als Anregung eine Aussage vom krassen Paulus aus Apg 26, Paulus:
"Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam, sondern verkündigte zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und im ganzen jüdischen Land und dann auch den Heiden, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren und rechtschaffene Werke der Buße tun. 21 Deswegen haben mich die Juden im Tempel ergriffen und versucht, mich zu töten. 22 Aber Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein und sage nichts, als was die Propheten und Mose vorausgesagt haben: 23 dass Christus müsse leiden und als Erster auferstehen von den Toten und verkündigen das Licht seinem Volk und den Heiden."
(Luth 84) oder vgl. auch 1 Petr 2,9-10.
Liebe und Botschaft gehören zusammen, untrennbar, ist ja logisch. Und haben grosse und weitreichende Auswirkungen... :-)

ahhhhh...ja, lassen wirs mal raus...:-)

(hab grad' keine mehr zu schreiben, du kennst ja meine meinung...)

Je mehr ich mich mit Emerging Church auseinandersetze, desto mehr habe ich den Verdacht, dass das doch wieder eine dieser Wellen ist, von denen uns in den vergangenen Jahrzehnten einige hier in Dtl erreicht haben. (torontowillopensecolcreekosaddleG12housebackemergingmissionalorganicchurch)
Wichtig ist nicht was die Wellen birngen, sondern war wir an wirklichen Anregungen bei uns umsetzen. Ich jedenfalls bin dafür, dass wir immer geisterfüllt sind, kirchendistanzierte erreichen wollen, die Dynamik der kleinen Gruppe (Familie) beibehalten, uns überall treffen missionarisch sind und ständig in Erscheinung treten, so wie es die Gemeinde im 1. Jahrhundert getan hat.

Richard

Danke für eure Kommentare. Gute Gedanken. Ich bin auch dafür, dass Bekehrung zu Gott eine soziale Dimension hat, ja, wenn eine Umkehr nicht auch mein Verhältnis zu Mitmenschen, der Gesellschaft ändert, dann ist etwas faul. Dem holistischen Bekehrungsverständnis von EC stimme ich zu. Skeptisch bin ich allerdings, wenn eben z.B. Burke seine buddhistischen Freunde als "beloved children of God" beschreibt. Ich bin für Dialog und das Kennenlernen der anderen Religionen, gemäss meinem biblischem Verständnis, sind "Buddhisten" zwar Menschen, denen die ganze Liebe Gottes gilt, aber nach NT-Terminologie keine "Kinder Gottes", wenn sie ohne Jesus leben. Hart, aber wahr. In diese Richtung geht für mich auch manchmal geäusserte Meinung von EC-lern, "Wir wollen gar nicht wachsen", "Wir wollen klein bleiben"; tragisch, da fehlt dann die "missionale" Gesinnung, vielleicht auch weil die Dimension der "Verlorenheit" keine Rolle spielt. Bezüglich diesen Fragen bin theologisch eindeutig konservativer...

Bin mit Dir, Mike.

Zum Thema Bekehrung: Ich würde die Betonung auch mehr wie Danny setzen: Bekehrung ist nicht einfach nur jemandem helfen zu helfen etc. Das löst das Problem nicht an der Wurzel.

Mir gefällt die Betonung des griechischen μετανοια = Sinnesänderung/Umkehr/Buße. Das "Objekt" dieser Metanoia ist Jesus. Ich ändere mein Denken ihm gegenüber und kann dadurch auch mein Denken der Welt und anderen gegenüber ändern. Erst dann kann auch Kulturveränderung stattfinden, erst dann kann Gemeinde und Reich Gottes gebaut werden.
Wer aber nur den zweiten und dritten Schritt betont, den ersten aber nicht, der landet dort, wo Kulturprotestantismus und Humanismus schon lange sind. Da braucht man keine EC für. EC sollte in meinen Augen eher die Verbindung zwischen, überspitzt formuliert, "Bekehrungs-Evangelikalismus" und "Humanistischem-Protestantismus" darstellen, die gute Mitte aus beidem.

Tja, das auch Teile der EC zum relativismus/inklusivismus neigen verwundert mich gar nicht. Bleibt die Frage, ob das zu einem Charakteristikum von EC wird oder ein Randthema bleibt.

Preach it, Mike!

In den letzten Tagen nehme ich wieder mit gutem Gewissen die Wörter "BEKEHRUNG", "BUßE", "SÜNDE", "RECHTFERTIGUNG" und "GNADE" in den Mund. Wieso sollte man als Emergent sich davor sträuben? Sind es nicht die Worte, die Jesus, Johannes der Täufer und Paulus ständig gebrauchten?

Conversion - oder sagen wirs einfach: BEKEHRUNG ist das Abwenden von Sünde und ein Zuwenden zu Gott.

Ciao
Danny

Eine Frage für mich ist, was ist wirklich "conversion". Ist das wirklich, die rechten paar Wörter aneinander und die Formel beten?

Ist "conversion" nicht vielleicht eher: sich abwenden vom egozentrischen Denken und somit anderen helfen. Somit wäre die Begleitung zur "conversion" einfach ein Führen in ein Leben, das ein Segen ist für andere...

Hoffentlich seid ihr nicht gleicher Meinung und es entsteht eine gute Diskussion.

Da stimme ich dir zu, Mike. Drei Dinge fallen mir dazu ein (darf man überhaupt einen 3-Punkte-Post zu einem Emergent-Thema schreiben?) :-)

1) Natürlich muss es um "conversion" gehen - das tat es bei Jesus und das sollte es heute. Allerdings um einen ganzheitlichen Ruf in die Nachfolge Jesu und die Integration in eine Gemeinschaft. Evangelikale Bekehrungsarbeit hat hier sicherlich oftmals die Ganzheitlichkeit (die Zeit braucht) vermissen lassen und nicht bemerkt, dass Gemeinschaft nach (und meiner Ansicht nach auch besonders vor!) der "conversion" elementar sind. Zum Begriff: Ich vermeide das deutsche "Bekehrung", weil es für mich zu sehr besetzt ist, habe aber noch nicht wirklich eine gute Alternative gefunden.

2) Die Gefahr bei emergent sehe ich nicht in der Begegnung mit anderen Religionen. Mir liegt die innerchristliche Ökumene wie auch das Gespräch mit anderen Religionen am Herzen (wobei ich an erstere wesentliche größere Erwartungen habe). In der Ökumene ist meiner Ansicht nach in den letzten Jahren deutlich geworden, dass das Gespräch dann am fruchtbarsten ist, wenn wir unsere Unterschiede bewusst aussprechen, annehmen, akzeptieren und vielleicht sogar feiern. So zu tun, als wären alle gleich, wird der Bedeutung dieses Gesprächs überhaupt nicht gerecht. Dasselbe kann auch für interreligiöse Gespräche nur gelten. Für mich als überzeugten Christen kann ich auch in einem solchen Gespräch nicht ausblenden, dass ich mir aus Liebe zu anderen Menschen auch für sie wünsche, dass sie Christen werden und die Schönheit des Lebens in der Nachfolge Jesu kennen lernen.

3) In unseren Gemeinden sollten Menschen anderen Glaubens herzlich willkommen sein. In einer Gesellschaft unterschiedlicher Kulturen und Religionen finde ich es auch wichtig, über diese informiert zu sein, um zu wissen, was meinen Mitmenschen wichtig ist. Außerdem habe ich einen hohen Respekt für viele Religionen dieser Welt und die Leistungen, Ideen und Konzepte, die damit verbunden sind. Diese stehen für mich auch nicht in direkter Konkurrenz zur Nachfolge Jesu, weil es hier nicht in erster Linie um Leistungen, Ideen und Konzepte geht. Wenn ich aber z.B. meinen muslimischen Nachbarn nicht als Muslim wahrnehme, sondern ihm mit einer "Wir-haben-doch-alle-den-gleichen-Gott-Mentalität" begegne, dann ist das nicht nur theologischer Unsinn, sondern ich nehme meinen Nachbarn und seine religiösen Überzeugungen gerade nicht ernst.

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