In einem
meiner letzten Posts habe ich den Mund voll genommen und behauptet, die Lehren,
welches das Wort & Geist-Zentrum in Röhrnbach verbreite, seien Irrlehren.
Solch eine zugegebenermassen polemische Aussage ist schnell gemacht, mehr Zeit
braucht es, sie argumentativ zu belegen. Ich bin mir bewusst, dass schon der
Begriff „Irrlehre“ problematisch ist, Kapeka fragte denn auch in der
Comment-Sektion zu Recht, nach welchen Kriterien ich etwas oder jemanden
als "Irrlehre" respektive "Irrlehrer" bezeichnen würde? Das
ist eine gute Frage und im Protestantismus schwerer zu beantworten als im
Katholizismus. Wenn da der Papst etwas ex kathedra verkündigt, ist es unfehlbar
und gleichzeitig offizielle Lehre des Vatikans. Wenn ich nun auf diesem Blog
den Mund aufmache, ist es ungleich schwieriger. Es gibt kein zentrales
evangelisches Lehramt, welches entscheidet, was orthodoxe Lehre ist und welche
Ansichten den Anstrich „Irrlehre“ verdienen (Sam, dein Vorschlag nach einem
Gemeinde-Güte-Siegel ist interessant, in der Praxis aber wohl schwierig
umzusetzen, früher oder später würde es wohl darauf hinaus laufen, dass es ein
baptistisches, charismatisches, täuferisches oder was auch immer –Gütesiegel geben
würde, weil sich die Verbände nicht einigen könnten). Zudem schreibe ich als
Privatperson und nicht als Vertreter eines Gremiums, einer Denomination oder
einer Universität. Das hat Vor-und Nachteile. Ein zentrales Institut für „Reine
Lehre“ würde der evangelischen Betonung des Allgemeinen Priestertums
zuwiderlaufen.
Der einzelne Christ ist mündig und darf selber mit bestem Gewissen vor Gott und Menschen entscheiden und sich eine Meinung bilden ohne dass ein oberster Stelllvertreter nötig wird, der diese Aufgabe abnimmt. Gleichzeitig birgt dieser Denkansatz die Grundlage für eine Pluralität an Meinungen. Da unsere Erziehung, unsere Gesellschaft, unsere Kirchen unser Verständnis von Bibel und Dogmatik prägen, gibt es keine neutralen Urteile, die einfachen nur wiedergeben, was sowieso schon in der Bibel steht. Unsere theologische Meinung ist der Bibel untergeordnet oder „nachgeordnet“, wie es Stanley Grenz in seiner Definition von Theologie gut auf den Punkt bringt:
Christian theology is an ongoing, second-order, contextual discipline that engages in critical and constructive reflection on the faith, life, and practice of the Christian community. Its task is the articulation of biblically normed, historically informed, and culturally relevant models of the Christian belief-mosaic for the purpose of assisting the community of Christ’s followers in their vocation to live as the people of God in the particular social-historical context in which they are situated. (Grenz, Beyond Foundationalism, 2001, S.16 )
Diese
Vielfalt an Meinungen, die eine Betonung des Allgemeinen Priestertums an den
Tag bringt, erschwert offensichtlich eine griffige Beurteilung von allfälligen
Irrlehren. So ist diese neutestamentliche Lehre sowohl Segen als auch
Herausforderung, wenn wir auf der Suche nach vernünftigen Beurteilungs-Kriterien
sind. Eine
Link zum zweiten Teil von "Paradoxe Theologie".
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Liebe Gill
Danke für deinen Kommentar und dass du dich nochmals mit Namen gemeldet hast. Das erleichert und verbessert die Kommunikation im Internet-Zeitalter. Du hast einen guten Gedanken aufgebracht. Du hast Recht, Paulus war ein Apostel und Leiter vieler Gemeinden. Das stimmt und sicher hat der einzelne Christ in Korinth und Rom sich nicht soviele Gedanken gemacht wie Paulus. Da besteht sicher ein Unterschied. Und doch sagt Paulus z.B. der ganzen Gemeinde in Thessolonich (im Zusammenhang mit Profetie):Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Dies gilt insbesonders für die Leitenden einer Gemeinde, aber auch für jeden Christ. Und nochmals zum Blog-Artikel. Ich bin Theologe, Pastor und Dozent und darum mache ich mir oder muss mir mehr Gedanken über Entwicklungen im christlichen Gemeindeland machen als andere. Ich will mich damit nicht auf eine Stufe mit Paulus setzen, aber den Kontext des Blogs erklären. Zudem sind viele der Leser Theologen oder theologisch aktiv und die sind auch mein primäres Publikum. Ich wünsche dir eine gesegnete Woche
Mike
Kommentiert von: Mike | 28. August 06 um 09:25 Uhr
lieber mike
ich bin der anonyme verfasser des gestern geschriebenen textes. natürlich kannst du meinen namen wissen. es war für mich nur einfach unwichtig (wie mein gestrieger name schon aussagte), anzugeben wer ich bin, weil ich über sachen wie spamnachichten nicht nachgedacht habe. danke erst mal das du dir die zeit genommen hast mir zu antworten. mein kommentar war gestern nur ganz spontan gekommen ohne absicht dich oder irgendwem in frage zu stellen, denn das steht mir nicht zu. meinungsverschiedenheiten sind ja etwas ganz normales in dieser welt. wahrscheinlich bin ich echt ein denkfeindlicher christ, was nicht bedeuten soll das ich naiv alles glaube, sondern das ich einfach nicht aus eigenem intillekt handeln möchte, sondern vom geist gottes geführt werden möchte. ich weiß einfach wie schnell es geht das ich in eigener kraft versuche etwas zu erlangen oder für gott zu tun und das ist niemals gottes wille. bezüglich dem was du über paulus schreibst gebe ich dir absolut recht. doch war er der leiter vieler gemeinden. ich glaube nicht das nur als beispiel die leute aus korinth sich gedanken darüber machen sollten, ob die derzeitige theologie der römer richtig oder falsch ist. ob ich damit richtig oder falsch liege sei dahin gestellt. wir werden alle immer weiter in der erkenntnis des herrn wachsen. ich freue mich über jeden der mit mir zusammen den weg des herrn geht, denn die zentrale botschaft ist ja das erlösungswerk christi und unser ziel ihm immer ähnlicher zu werden. alles andere wird der herr unser gott einem jeden zu seiner zeit aufzeigen.
Kommentiert von: gill hartkopf | 24. August 06 um 20:23 Uhr
An Mr./Mrs Unwichtig.
Zur Form: anonyme Commentare fallen bei mir in der Regel in die Spam-Kategorie und werden deshalb von mir gelöscht. Der Name ist wichtig. Jeder/jede ist in dieser Diskussion willkommen, aber selbstgewählte Bescheidenheit ist hier fehl am Platz. Wer nicht mit seinem Namen dafür stehen kann, was er/sie schreibt, soll es besser sein lassen.
Zum Inhalt: Ja, die Beziehung zu Jesus ist zentral. Da gebe ich Ihnen Recht. Aber wenn wir das Neue Testament genau betrachten, z.B Paulus, der ja das Hohelied der Liebe in 1 Kor 13 geschrieben hat, merken wir, dass Liebe und Wahrheit zusammen gehören. Es braucht beides. So schreibt eben Paulus sein ergreifendes Bekenntnis zur Liebe im 1 Kor und im Galater erleben wir ihn wie er mit Leidenschaft für "gute Theologie" (Vgl. vor allem Kapitel 1-4) ringt und dabei nicht gerade zimperlich ist. Und in dieser doppelten Verantwortung stehen wir. Einerseits die Beziehung zu Gott und zum Mitmenschen zu pflegen, aber auch mit bestem Gewissen und Verstehen theologisch zu arbeiten. Das ist manchmal eine Gratwanderung, aber beides muss seinen Platz haben. Sonst haben wir entweder eine theologie-und denkfeindliches Christentum oder einen kalten intellektuellen Glauben.
Kommentiert von: Mike | 24. August 06 um 09:06 Uhr
ich verstehe überhaupt nicht was ihr mit euren ganzen theologischen gedankengängen zu ereichen wollt. ist es nicht das wichtigste eine lebendige beziehung zu unserem herrn jesus christus zu haben, als irgendwelche glaubensrichungen zu analysieren? habe ich denn überhaupt das recht über andere glaubensgeschwister zu urteilen? wenn mir der geist gottes aufzeigt das an irgendeiner lehere etwas nicht stimmt, gehe ich doch mein weg mit dem herrn einfach weiter und glaube für erkenntnis bei meinen geschwistern. sind wir nicht alle zusammen der leib christi? natürlich mache ich mich auch nicht mit allem was ich höre eins, doch bin ich mir gewiss das der herr auch mit denen ist, die meiner meinung nach im moment ein weg eingeschlagen haben der nicht ganz korrekt ist, wenn sie ihn doch von herzen lieben. na ja, war ja auch nur so ein kleiner denkanstoß. ich hab euch alle lieb, lasst uns gehen im frieden des herrn, euer glaubensbruder
Kommentiert von: unwichtig | 23. August 06 um 18:39 Uhr
Habe die "Paradoxe Theologie" Teil 1 gelesen.
Leider habe ich n i c h t s , aber rein gar nichts verstanden! Leider...
Dieser Bericht erscheint mir als eine hochakademische Abhandlung, von dem der Berichterstatter in höhere Sphären schwebt und nur er das versteht, was er schreibt.
Das ist nicht böse gemeint, aber ich bin mit den Vorsätzen von "Wort und Geist" auch nicht so einverstanden und hätte gerne einen ganz normalen Bericht darüber gelesen, mit objektiven Fakten.
Schade......
Kommentiert von: Irene Barnowsky-Moehrle | 13. August 06 um 18:48 Uhr
Hm Sams Vorschlag würde sicher einiger Anti-freikirchlicher Presse den Wind aus den Segeln nehmen. Aber ich glaube nicht dass das klappt; wenn das die falschen Leute machen würden, würde das in soner Art Hexenjagd enden.
Ist echt ein guter Artikel in der Dran find ich. Bin grad in den Recherchen zu nem eigenen Artikel dazu als ich den gelesen hab. Bin schon sehr gespannt auf konkrete Kritikpunkte.
Achja: was denkst du: wovon kann man bei WuG lernen?
Kommentiert von: BON-Arne | 26. Juli 06 um 18:02 Uhr
Ok, Sam, nun habe ich dich besser verstanden. Das geht nochmals in eine andere Richtung, ist aber natürlich ein wichtiger Aspekt, gerade in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung von Gemeinschaften und Kirchen.
Kommentiert von: Mike | 25. Juli 06 um 09:33 Uhr
"Für manche Evangelikale wirkt diese Sicht von Theologie bedrohlich, weil sie befürchten, dass absolute Werte verloren gehen. Doch nicht die Bibel wird relativiert, aber unsere menschliche Interpretation davon ist nicht fehlerfrei, unsere Theologie ist nicht absolut, sie ist lern- und korrekturbedürftig."
Du sprichst mir wirklich aus dem Herzen! Es passiert so schnell, dass jemand (auch ich!) das Gefühl hat, die perfekte und fehlerfreie Dogmatik zu "besitzen". Dabei überschätzt man die Möglichkeiten des eigenen Verstehens...Und dennoch muss dieses Offen-Sein für Korrektur nicht in einer "Alles-ist-recht-wenn-es-Dir-entspricht" -Toleranz münden.
Bin schon gespannt auf den nächsten Post!
Kommentiert von: lagalug | 25. Juli 06 um 08:17 Uhr
Beim "Gütesiegel"-Fragenkatalog würde ich keine Fragen zur theologischen Richtung drin haben wollen, sondern mehr generell zur Finanzierung der Aktivitäten, zu Verpflichtungen, zu Verantwortzungsstufen (Machtstruktur), zum Verhalten gegenüber Personen, die austreten etc...
Es wäre auch generell für religiöse Gruppen, also auch ausdrücklich kein Richten zwischen "heilsbringende Gruppen" kontra "Sekten" oder sowas. Eine (in meinen Augen) "Sekte" könnte den Siegel auch erhalten, wenn sie nicht vereinnahmend ist.
Es müssten sich keine Verbände einigen, auch nicht alle Gruppen den Bogen ausfüllen. Bei einer Abfrage der Datenbank würd aber natürlich solche Gruppen besser da stehen, die nicht "Fragen nicht beantwortet" stehen haben...
stiftung-sektentest.ch ;-)
Kommentiert von: Sam | 24. Juli 06 um 23:40 Uhr