Die kleine Serie (Teil 1 und 2) über New Monasticism möchte ich mit einer persönlichen Bewertung über das Buch vorerst abschliessen. Der aufmerksame Leser/in hat wohl schon gemerkt, dass ich bei der Lektüre nicht in grosse Begeisterungsstürme ausgebrochen bin. Ehrlich gesagt, habe ich den letzten Jahren selten ein Buch so enttäuscht zurück aufs Gestell gelegt. Mhm, das Buch ist nicht schlecht, aber ich habe deutlich mehr erwartet...Aus meiner Sicht ist das Buch weder Fisch noch Vogel; kein wirklich tiefgründiges theologisches Werk, dazu werden viele Themen nur oberflächlich gestreift, es ist aber auch kein packender Erlebnisbericht wie ihm etwa Claiborne gelungen ist. Claiborne gelingt es, seine Biografie geschickt mit theologischen Einsichten zu verbinden. Die Leidenschaft und das Charisma seines Freundes fehlt "New Monasticism" weitgehend. Positiv zu vermerken gilt aus meiner beschränkten Warte die Authentizität des Autors, er lebt, was er beschreibt. Es ist also nicht einfach ein Schreibtischwerk, wie leider so viele in der theologischen Welt. Ich kann mir aber nicht ganz den Eindruck verkneifen, dass hier das boomende Thema den Druck verstärkt hat, etwas in dieser Richtung auf den Markt zu werfen. Ich bin weiter an diesem Thema sehr interessiert, doch auf die meisten Fragen hat mir das Buch keine Antwort gegeben. Darum hier meine Beobachtungen und Fragen, die ich mir nach der Lektüre stelle:
- Warum werden die keltischen Klöster nicht erwähnt? EC und keltisches Christentum sind ja sonst enge Geschwister...
- Wie definieren die "New Monastics" ihre Beziehung zu den klassischen Klosterbewegungen?
- Wie reagiert eigentlich die katholische Kirche auf diese protestantischen Neomonastiker?
- Wilson-Hartgrove erwähnt mit keinem Wort irgend eine Lebens/Ordensregel. Gibt es diese bei den postmodernen Klosterfreunden? Wenn nicht, warum nicht?
- Was arbeiten die Mitglieder dieser "Klöster"? Sind alle "Vollzeiter" oder arbeiten sie in der Wirtschaft, Kunst und Kultur? Wilson-Hartgrove ist ja noch Pastor einer Kirche, aber wie verdienen seine Mitstreiter ihr Geld?
- Wilson-Hartgrove erwähnt die Wichtigkeit der Relocation (der Gang der Gemeinschaft in die Armenviertel). Ist diese Relocation zwingend? Warum gerade nur in die Armenviertel? Brauchen Künstler, CEO's, Bürgerliche und Politiker keine Stadtklöster? Diese Fixierung auf die Ränder scheint mir einseitig.
- Was ist das wirklich "Neue" beim "New Monasticsm" (vgl. die Fragen von Mark)
- Wie ich mir den Alltag einer solchen Gemeinschaft vorstellen muss, ist mir nach der Lektüre nicht klar.
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