Heute bleiben sie zu Hause. Denn heute ist Feiertag. Heute muss nicht gedrängelt werden. Sonst jeden Morgen das gleiche Szenario. Ungeduldige Pendler warten auf den Intercity. Es ist früh, man könnte meinen, die Lebensgeister seien noch nicht erwacht, doch man täuscht sich. Fürs Drängeln reicht es allemal. Kaum steht der Zug, wird eifrig um die besten Positionen gekämpft, ähnlich wie im Strafraum beim Eckball. Noch ein Schritt vor, zwei zurück, damit ich ja direkt vor der Tür stehe. Manche sind so eifrig, dass sie die Reisenden, die aussteigen wollen, kaum durchlassen. Und dann endlich gehts los, wie vom Vakuum angesogen, wird der Zug gestürmt. Es wird gedrückt und eben gedrängelt, was das Zeugs hält. Und: in 98% (also fast immer!) hat es genug Sitzplätze für alle. Ganz selten muss mal einer die 17 Minuten nach Bern stehend verbringen. Das wissen alle. Denn sie fahren die Strecke ja wie ich jeden Morgen. Und doch drängeln sie wie die Weltmeister. Amüsant und bedenklich zugleich. Ganz so schlimm wie in Japan ist es nicht :-), vgl. Video. Was steckt dahinter? Nicht warten können? Oder die tiefe Angst, etwas zu verpassen, zu kurz zu kommen? Um jeden Preis einen Platz an der Sonne, sprich Sitzplatz zu ergattern Und das in einem Land, wo Überfluss herrscht...Da lobe ich mir die Engländer! Die wissen, wie man gelassen einen Bus oder Zug besteigt.
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