Wie versprochen werde ich "versuchen" fortlaufend Einblick in meine Lektüre von New Monasticism as fresh expression of church geben. Frühere Gedanken auf diesem Blog zur Bewegung "New Monasticism" finden sich z.B. hier, hier, hier oder hier.
Das Bucht startet mit einem Kapitel von Bischof Graham Cray "Why is New Monasticism important to fresh Expressions?", also warum die neue Klosterbewegung wichtig ist für die Organisation "Fresh Expressions". Cray ist Teamleiter der anglikanischen Gemeindeinitiative "Fresh Expressions". Es schreibt also der Chef höchstpersönlich. Die Organisation fördert neue und innovative Kirchenprojekte innerhalb der angelikanischen Kirche. Mehr über "Fresh Expresssions" hier.
Zu Beginn schreibt der Bischof von seinen eigenen positiven Erfahrungen mit gemeinschaftlichem Leben. Auch wenn er aktuell in keiner monastischen Gemeinschaft lebt, fühlt er sich dieser Richtung verbunden. Als Testfrage für jede Kirche oder klösterliche Community nennt Cray folgendes Merkmal:
The ultimate test of any expression of church, whether a fresh expression, or a more traditional one- is what quality of disciples are made there?
Die Jüngerschaftsfrage ist für Cray also die Crux und da erwartet er von der neomonastischen Strömung besondere Impulse. Individualismus und die alles bestimmende Konsumgeilheit unserer Gesellschaft gefährden glaubwürdige Jüngerschaft aufs schärfste, so Cray. "Consumerism", der englische Ausdruck, den der Bischof verwendet, beinhaltet mehr als Shoppen oder Wahlfreiheit, Cray versteht diese Haltung als alles bestimmenden Lebensstil, der auch vor den Toren der Religion nicht halt macht (S.4). Auch christliche Gemeinschaften und Kirchen seien anfällig für die Fallen des Konsumerismus. Er kommt schleichend, unbemerkt. Jüngerschaft hat in diesem Kontext nicht einfach Wissensanhäufung zum Ziel, sondern vor allem Charakterbildung. Und genau an diesem Punkt liegt für Cray das Interesse am "New monasticism" (S.5):
...because I am convinced that this sort of character formation has a much greater chance of success in community. A locally agreed, light touch, shared rule of life provides the best environment for Christian Growth in a consumer society.
Ein zentrales Anliegen von "Fresh Expressions" ist ja die Gemeindegründung mit/von/zu Menschen, die wenig oder keine Ahnung vom christlichen Glauben haben. Initiativen, die in diesem Kontext arbeiten, müssen nach Meinung von Cray sowohl "contextual and countercultural" arbeiten, also sensitiv gegenüber der herrschenden Kultur sein, aber gleichzeitig auch den gängigen gesellschaftlichen Werten kritisch gegenüberstehen. Menschen, die aus dem vorherrschenden säkularen Gewirr Christen werden, brauchen eine ganzheitliche "Christliche Katechese", eine Bildung, die am besten in der alltäglichen Gemeinschaft mit Christen geschieht.
"New Monasticism" soll Ancient-Future-mässig sein, also gleichzeitig das Erbe der vergangenen monastischen Bewegungen ehren und schätzen und aber auch innovativ und mutig in die Zukunft denken. Cray wünscht sich weiter eine enge Verbindung zwischen Jüngerschaft und Mission/missionalem Lebensstil.
Zum Schluss seines Kapitels erwähnt Cray den Begriff der "Deep church". Ursprünglich ins Feld geworfen von C.S.Lewis hat diese Formulierung in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen. Etwas verkürzt gesprochen, meint Cray mit "deep church" den Versuch, heute in unserer Konsumkultur glaubwürdig "Kirche zu sein" und in dieser Hinsicht gibt er dem neuen Mönchtum durchaus Kredit.
Finde ich ganz gut deine Zusammenfassung. Dann muss ich das Buch nicht selber lesen. ;-)
Das Thema finde ich sehr spannend.
Kommentiert von: Chrigu Wittwer | 30. Januar 11 um 17:18 Uhr