So heute geht's wieder einen kleinen Schritt vorwärts: Teil 2b meiner Serie (Teil 1 und 2a). Aus Gründen der Übersichtlichkeit wiederhole ich nochmals die erste der drei Spielarten von neomonastischen Bewegungen, die Ian Mobsby ausmacht.
1. Gruppe: inspiriert von Mönchen und Nonnen, die neue Orte für Gebet und Kontemplation begründet haben. Gründung von Gemeinschaften mit Leuten, die keine Beziehung zur Kirche haben oder sehr von ihr enttäuscht worden sind und sich abgewandt haben. Starke Betonung der Missio Dei, also Hervorhebung des missionalen Elements, meint Sendung in die Gesellschaft. Suche nach dem Heiligen im Alltäglichen. Es gibt keine Orte, wo Gott nicht ist. Diese Neo-Monastiker treffen sich zum Gebet in stillgelegten Pubs, auf Parkplätzen und in der freien Natur. Sie folgen dem benediktinischen Ideal einer "Mönchisierung der Kirche" (O-Ton: re-monking the Church). Beispiele für diese Richtung sind nach Mobsby Contemplative Fire, mayBe oder the Northumbria Community.
2.Gruppe: Diese Gruppe orientiert sich an den sog. Ordensbrüdern (engl. "Friars"), wie z.B. den Franziskanern, Dominikanern oder den keltischen Wandermönchen. Im Unterschied zu Mönchen, die sich in die Einsamkeit zurückziehen, sehen diese ihren Auftrag in der Gesellschaft, unter den Menschen. Auch im Unterschied zur ersten Gruppe lebt diese zweite Gruppe in Gemeinschaften, als Communities, besonders in Gegenden und Quartieren, die arm und niedergekommen sind. Dort, wo Menschen sonst wenige Berührungspunkte zur Kirche haben. Als Beispiele für diese Richtung nennt Mobsby Simple Way in Philadelphia (Shane Clairborne) oder die Sojourner Community in San Francisco.
Beide Varianten betonen die Aufgabe der sozialen Transformation, Mission und Evangelisation durch kulturelles Engagement in verschiedensten Formen. Zudem schöpfen sie Kraft aus einer kontemplativen Spiritualität.
3. Gruppe. Die dritte Gruppe will die Ideale der Mönche und Ordensbrüder vereinen, also Engagement und Rückzug/Einsamkeit. Als prägende Beispiele betrachtet Mobsby dafür die Boiler-Rooms von 24-7, sowie seine eigenen Community Moot. Die Schwerpunkt seiner Gemeinschaft beschreibt er wie folgt: Betrieb einer alten Kirche im Zentrum von London als Kunstraum und Café, Gastfreundschaft, verschiedene Workshops über kontemplative Spiritualität, Diskussionsforen, Gebet, verschiedene Worshipformen. Ort für Leute auf Pilgerschaft. Aber auch gemeinschaftliches Wohnen mit dem Ziel in Zukunft auch Leute aufzunehmen. Gemeinsamer Lebensrhythmus.
Überall auf der ganzen Welt macht Mobsby Strömungen aus, die einer der drei Gruppen zuzuordnen sind. Er nennt nochmals einige Gemeinsamkeiten:
- Beziehungsorientierte Mission und Evangelisation, basierend auf der Wichtigkeit von Gemeinschaft
- Form von Jüngerschaft, die sich mit kontemplative und mystischer Spiritualität auseinandersetzt
- Entwicklung von christlichen Werten bezüglich sozialer, ethischer, wirtschaftlicher und ökologischer Gerechtigkeit
- Lebensregeln, gemeinsamer Rhythmus
- Betonung der Orthopraxie ("rechtes Handeln", nicht nur "recht glauben")
- Betonung der Inkarnation in Anlehnung an Roland Allen und Vincent Donovan.
In diesen Versuchen, Gemeinschaft in bestimmten Kontexten zu leben, bzw. gemeinschaftliches Leben in kirchenfernen Kontexten zu gestalten, sieht Mobsby den Beitrag der neomonastischen Bewegung zur Initiative von "Fresh expressions". In gewisser Weise sind diese monastischen Gemeinschaften also Kirche.
Der Begriff "New Monasticism" ist momentan in, und viele Gruppe, die in irgendeiner Form etwas mit Gemeinschaft zu tun haben, bezeichnen sich so. Doch was macht eine "geistliche Gemeinschaft" zu einer "neomonastischen Gemeinschaft"? Als Kernkriterium bezeichnet Mobsby hier die Lebensregel oder den gemeinsamen Lebensrhythmus, nur gemeinsame Werte sind ihm zu wenig. Solch eine Lebensregel ist eine ganzheitliche Angelegenheit, welche eben das ganze Leben betrifft und sich auch deutlich von der vorherrschenden Hyperindividualität absetzt und darum "countercultural" ist. Als weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal nennt der Londoner einen partizipativen Führungsstil. Betonung der Gleichwertigkeit von Brüdern und Schwester, sowie eine aktive Teilnahme von allen ist gefordert. . Ein weiterer Kernpunkt ist für Mobsby der Einsatz und die Sorge für die Armen und Benachteiligten, sowie die Kirchenfernen, die keine Ahnung mehr vom Christentum haben. Es geht also bei "New Monastiscism" nicht um die Gründung von bequemen und komfortablen Orten für die weisse Mittelklasse.
Das neue Mönchtum schöpft aus Quellen keltischen, römischen und byzantinischen klösterlichen Formen.
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