Im Zuge von Alternative Worship sind Stationen wieder in! Doch dieser meditative interaktive Ansatz von "Anbetung", der in England und Neuseeland in den 80/90er Jahren seine postmodernen Pioniere findet, ist älter, ja viel älter. Eine Form davon, die sog. Kreuzwege gibt es seit dem 14.Jahrhundert. Einer anderen Ausprägung bin ich in meinen Ferien in Norditalien eindrucksvoll begegnet. In Orta San Giulio haben wir einen der legendären Heiligen Berge (Sacri Monti) besucht. Seit 2003 gehören diese weitläufigen Kapellenanlagen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Hoch über dem Orta-See befinden sich in einem grandiosen Park, der Sacro Monte D'Orta. "Der Sacro Monte di Orta ist dem Heiligen Franz von Assisi gewidmet, und jede der zwanzig Kapellen stellt Episoden aus dem Leben des Heiligen dar, das als ähnlich dem Leben Jesu verstanden wird." Fast ein Jahrhundert wurde an den 20 Kapellen gebaut. Da im 16/17. Jahrhundert viele Leute nicht lesen konnten, benutzen die Erbauer Bilder und Figuren, um den Besucher in die Geschichte von Franz von Assisi eintauchen zu lassen. Narrative Theologie für Analphabeten. Eine gemalte Hand weist den Weg zur nächsten Station, die sich verstreut im Park befinden. Die Atmosphäre ist auch heute noch sehr meditativ, beruhigend und gleichzeitig inspirierend, auch wenn die Figuren und Bilder heute museumstechnisch hinter Gitter sind und oft schlecht beleuchtet sind.
Folgende Merkmale sind mir aufgefallen:
- Miteinbezug der Natur, grossartige Landschaft als Kontext für die spirituelle Erfahrung
- Wertschätzung der Kunst, Architektur, Raum und Geschichte
- Narrative Wertevermittlung mit Bildern und Figuren
- Ort der Ruhe und Entspannung. Die 20 Kapellen sind weit auseinander. Man braucht Zeit und Musse (die wir mit unserer kleinen Tochter leider nicht im gegnügenden Masse hatten).
- Spiritualität als Weg und Prozess
- Förderung von Bewegung: die Besucher müssen laufen, frische Luft und freie Natur
- "Place matters": die grossartige Aussicht auf den See gehört dazu
Bestimmt ein beeindruckender Ort... tolle Fotos!
Kommentiert von: Rolf | 03. Juni 11 um 19:53 Uhr