Ein herrlicher Spaetsommernachmittag gestern auf der Insel Samos. Der Himmel ist wolkenlos. Die Bucht vor mir malerisch von beiden Seiten von Felsen umschmiegt. Das Wasser tuerkisfarben und klar. Ich sitze auf dem Liegestuhl und lese. Es ist gegen 4 Uhr. Ploetzlich schaue ich auf und sehe wie gut 10m vor mir ein Mann am Strand liegt und eine kleine Gruppe Leute um ihn steht. Zuerst denke ich, der ist wohl hingefallen. Und wird sich gleich wieder aufrichten. Doch er bewegt sich nicht, ist aschfahl im Gesicht und einer der umstehenden beginnt etwas ungelenkt mit der Reanimation. Wie gelaehmt sitze ich da und rufe meine Frau. Ein wenig spaeter kommt eine Frau, die sich besser auszukennen scheint. Gemeinsam versuchen sie den Mann wiederzubeleben. Doch je laenger die Aktion dauert, desto kleiner wird die Hoffnung. Schliesslich geben sie auf und bedecken den Mann mit einem Badetuch. Die Ambulanz ist laengst benachrichtigt, doch sie kommt und kommt nicht. Nach 50 Minuten kommt die Kuestenwache, nach 1.5 Stunden die Ambulanz. Der Mann ist laengst tot. Waldbraende gab es auf Samos nicht, doch die Rettungsdienste scheinen auch hier nicht zu funktionieren. Ohnmacht. Wir sind immer noch ganz benommen. Unverhofft und dramatisch dringt der Tod in einen wunderschoenen Ferientag. Krass. So nahe liegen Schoenes und Haessliches beiander. Eine Bucht wie im Paradies und gleichzeitig Todesstaette. Eine merkwuerdige Stille breitet sich am Strand aus. Alle schauen vor sich hin und sind still in Gedanken versunken. Eine Frau gesellt sich zur Liege, wo der Mann liegt. Ob es seine Frau ist, eine Bekannte. Es wird nicht recht klar.
Am Abend und in der Nacht verfolgen uns die Bilder des Mannes. Haetten wir auch helfen sollen? Hingehen und beten sollen? Ich weiss es nicht. Vielleicht hilft schreiben. Darum bin ich heute in ein Internetcafe gegangen...
Memento mori. Bedenke, dass du sterben musst, war das Motto der antiken Gladiatoren. In solchen Momenten wie gestern wird mir schmerzlich die eigene Vergaenglichkeit und Begrenztheit bewusst. Nutzen wir die Zeit, die wir haben? Oder warten wir auf bessere Zeiten, die vielleicht nie kommen. Wenn ich meine Ausbildung fertig habe, dann.... Wenn ich verheiratet bin dann... Wenn ich Kinder habe, dann....Und ploetzlich ist es zu spaet und es gibt kein dann mehr. Carpe diem.
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